Diagnostik, Therapie und Training Witte

 Ganzheitliche Behandlungen und Training 

Korrelation von Flexibilität und Reichweite im Y-Balance Test

Korrelation von Flexibilität und Reichweite
Bachelorarbeit B.A Sporttherapie und Prävention
Korrelation von Flexibilität und Reichweite im Y-Balance Test.pdf (1.08MB)
Korrelation von Flexibilität und Reichweite
Bachelorarbeit B.A Sporttherapie und Prävention
Korrelation von Flexibilität und Reichweite im Y-Balance Test.pdf (1.08MB)

 





Korrelation von Flexibilität und Reichweite im Y-Balance Test

Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades Bachelor of Arts
in Sporttherapie und Prävention (B.A.)

an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam

Sebastian Witte          

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Y-Balance Test (YBT) 
2.2 Flexibilität
3. Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Messinstrument
3.2.1 Y-Balance Test (YBT) 
3.2.2 Goniometer
3.3 Durchführung
3.4 Statistik 
4. Ergebnisse
5. Diskussion 
6. Schlussfolgerung
Literaturverzeichnis 
Anhang 
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
Das Gleichgewicht hat einen großen Einfluss in alltäglichen Situationen  wie  auch im Sport. Um das Gleichgewicht halten bzw. herstellen zu können,  arbeiten verschiedene Systeme in komplexer Weise zusammen.  Dabei muss der Körper ständig auf Änderungen der Umwelt eingehen und sich und seine Position im Raum neu einschätzen  und ggf. Anpassungen vornehmen (Faigenbaum, Bagley, Boise et al.,  2015).  Man unterscheidet das statische und dynamische Gleichgewicht. Im Gegensatz zum statischen Gleichgewicht, ist  das dynamische Gleichgewicht immer dann aktiv ist, sobald  sich  der Körper in Bewegung befindet. Dies gelingt, indem man den Schwerpunkt innerhalb der Stützfläche lässt. (Lee &  Ahn, 2008).  Systeme die dabei helfen sind  das visuelle, vestibuläre, neurologische und muskuloskelletale System  (Knuchel  &  Schädler, 2004).  Allgemein  kann gesagt werden, dass  unter dem Gleichgewicht  die  Fähigkeit  verstanden  wird,  den  Körper  im  Raum  zu  stabilisieren.  Um  das  dynamische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten bedarf es der Kombination aus verschiedenen Faktoren wie Kraft, Gleichgewicht und Flexibilität (Lee & Ahn, 2018). Doch welcher dieser Faktoren hat die größte Bedeutung? Das dynamische Gleichgewicht  ist  bei den verschiedensten Tätigkeiten im Alltag  als  auch beim Sport sowie der Sturzprophylaxe essenziell (Faigenbaum et al., 2015).

Aufgrund dieser Komplexität ist es nicht einfach das dynamische Gleichgewicht zu messen. Die Stabilometry ist ein valides und  zuverlässiges (reliables)  Instrument, wenn  es  darum geht das  dynamische Gleichgewicht  zu  messen (Pollock, 2010).  Dies ist jedoch sehr aufwendig und teuer.  Auf der Suche nach einem geeigneten Verfahren wurde der Star Excursion Balance Test (SEBT)  entwickelt. Aus dem SEBT entstand durch Reduzierung der acht Testrichtungen in nur noch drei Richtungen der Y-Balance Test (YBT) (Hertel, Braham, Hale & Olmsted-Kramer, 2006; Plisky, Rauh, Kaminski & et al., 2006). Eine weitere  Methode  ist  die  Berg-Balance  Skala,  die  aufgrund  eines  höheren  Risikos  eines  „ceiling effects“ (Deckeneffekt, beschreibt eine Art von Messfehler, bei der der Messbereich überschritten wird und so immer ein maximales Ergebnis anzeigt.) als unpassend eingestuft wurde (Lee  &  Ahn, 2018).  Sowohl für den SEBT als auch den YBT konnte nachgewiesen werden, dass es geeignete Messverfahren zur Überprüfung des dynamischen Gleichgewichts sind (Gribble, Hertel & Plisky, 2012).  Im Fokus dabei und Teil von mehreren Studien sind der SEBT und der hier benutzte YBT.  Wie groß der Einfluss dieser Faktoren auf Ergebnisse im SEBT,  YBT  oder  auch  für  das  dynamische  Gleichgewicht  ist,  konnte  noch  nicht  vollständig  geklärt werden. Der SEBT hat sich als gutes Messinstrument des dynamischen Gleichgewichts beweisen können, speziell beim  Vergleich von gesunden  Personen und Probanden mit chronischer Instabilität des Sprunggelenks (Gribble, Hertel, Denegar &  et al., 2004). Die Neuromuskuläre Kontrolle ist ein wichtiger Bestandteil während der Ausführung des YBT, weshalb dieser gut geeignet ist, um  das dynamische Gleichgewicht zu testen (Hertel, Miller & Denegar, 2000).

Flexibilität, als ein Teil der das dynamische Gleichgewicht beeinflusst,  ist bei vielen Aktivitäten im Alltag sowie bei sportlichen Aktivitäten  wichtig. Eine gute Flexibilität der unteren Extremitäten, kann die Gefahr von Verletzungen  selbiger  verringern  (Overmoyer &  Reiser, 2015). Bisher wurden Aussagen über Flexibilität und Reichweiten im YBT oft nur bei Sportlern oder Probanden mit Beeinträchtigungen (Als Beispiel Probanden mit chronischer Instabilität des Sprunggelenks - Ko, 2016.) überprüft (Greenberg, Barle, Glassmann & et al., 2019; Ko, 2016; Plisky et al., 2006).

Noch ist nicht vollends geklärt, wie diese Faktoren die Reichweiten und die Ergebnisse im YBT beeinflussen, schafft man es das herauszufinden,  kann man leichter Aussagen über Verletzungsanfälligkeit treffen, als auch Hinweise für den Trainingsalltag liefern.

In  vorherigen  Studien  wurde  sich  zum  Beispiel  schon  mit  dem  Zusammenhang  der  Kraft  und  der Reichweite  im YBT  auseinandergesetzt  (Wilson,  Robertson,  Burnham &  et  al., 2018). Dabei konnte ein Zusammenhang zwischen der isometrischen Kraft der Hüftaußenrotatoren und der Reichweite in posteromedialer Richtung festgestellt werden. Der größte Zusammenhang konnte bei der Kraft während der  Hüftabduktion  und  allen  drei  Bewegungsrichtungen  nachgewiesen  werden  (Wilson  et  al., 2018). Es konnte ein erhöhtes Risiko für Verletzungen festgestellt werden, wenn sich die Reichweiten im YBT der  beiden Seiten  unterscheiden oder von den  Normwerten abweichen.  Ziel dieser Arbeit ist es einen  möglichen  Zusammenhang  der  Reichweite  im  YBT  und  der  Flexibilität  darzustellen.  Unter Umständen gelingt es die Bedeutung der Flexibilität, als einer der beteiligten Faktoren, für das dynamische Gleichgewicht besser einschätzen zu können.  Dafür werden bisherige Erkenntnisse der Flexibilität  und  Forschungsergebnisse  des  YBT  beschrieben  und  bei  der  Auswertung berücksichtigt. Gribble  und  Robinson  (2008a) untersuchten den Zusammenhang von Flexibilität und Reichweite im SEBT. Overmoyer und Reiser (2015) untersuchten die Reichweiten im YBT unter Berücksichtigung der Flexibilität  und  konnten  einen  Zusammenhang  zwischen  Dorsalextension  und  Hüftflexion  mit  der Reichweite feststellen. Bisher konnte gezeigt werden, dass ein schlechtes dynamisches Gleichgewicht die  Gefahr  für  Verletzungen  erhöht,  weshalb  es von großer  Bedeutung  sein kann,  wenn  man  gute Testinstrumente hat, die dieses messen können und der Zusammenhang der einzelnen Faktoren erklärt werden kann (Butler, Lehr, Plisky  & et al., 2013).

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Flexibilität und Reichweite im YBT. Dafür werden der YBT und ein Goniometer verwendet. Die Kraft und Koordination als weitere wichtige Faktoren für das dynamische Gleichgewicht werden nicht gemessen.  Die Hypothese dieser Arbeit ist  es,  dass  eine  größere  Bewegungsamplitude  (ROM  –  Range  of  motion)  in  Verbindung  mit  einer größeren Reichweite im YBT steht.  Zu Beginn der Arbeit, wird sich noch einmal genauer mit dem YBT und der Flexibilität auseinandergesetzt. Anschließend folgt die Beschreibung der Methodik inklusive Stichprobe, Beschreibung des Messverfahrens und der Durchführung. Gefolgt von der Präsentation der Ergebnisse und der abschließenden Diskussion und Schlussfolgerung.

2. Theoretischer Hintergrund


2.1 Y-Balance Test (YBT)

Ursprünglich war die Stabilometry das Maß der Dinge, um das dynamische Gleichgewicht zu messen. Da die herkömmliche Methode sehr zeitintensiv und teuer war, wurde der SEBT entwickelt  (Hertel et al., 2000; Plisky  et al., 2006). Die ursprüngliche Intention des SEBT war es ein Screeninggerät zu entwickeln, welches  Aussagen über das Gleichgewicht  tätigen  kann.  Später wurde der YBT genutzt um
Dysbalancen feststellen zu können  und  eine Aussage über ein eventuell  erhöhtes Risiko für Verletzungen,  speziell der unteren Extremitäten,  zu tätigen.  Es handelt sich dabei um einen funktionellen Test, der eine Kopplung von Bewegungen erfordert. Dabei befindet sich der Proband im Einbeinstand und muss das Standbein in verschiedene Richtungen bewegen.  Gemessen wird dabei die maximal erzielte Reichweite die erzielt werden konnte und der Proband sicher in den stabilen Stand zurückkehren konnte.  Neben dem Gleichgewicht wird die Kraft, Beweglichkeit, neuromuskuläre Kontrolle, Bewegungsausmaß  und  Rumpfkontrolle  getestet.  Der  YBT  ermöglicht  die  Überprüfung  der  oberen und  unteren  Extremitäten  und  durch  die  Einteilung in  unterschiedliche  Quadranten  lassen  sich  die Bewegungsrichtungen und die rechte und linke Körperhälfte  jeweils  getrennt voneinander betrachten bzw. untereinander vergleichen.

Beim YBT werden die Reichweite, die normative Reichweite für die  Bewegungsrichtungen, ein Gesamtscore  Asymmetrien zwischen  den beiden Beinen gemessen  bzw. berechnet.  Auch Asymmetrien
lassen sich darstellen, wenn man die Ergebnisse der Beine vergeicht.  Die Normative  Reichweite erhält  man  durch  Division  der  Reichweite  durch  die  Beinlänge.  Den  Gesamtscore  erhält  man,  indem man die Reichweiten  (maximale, Durchschnittliche) der drei  Richtungen addiert, durch die dreifache Beinlänge  dividiert  und  anschließend  mit 100 multipliziert.  Als  Beispiel  exemplarisch  die  folgenden
Messergebnisse für das rechte Bein:

Beinlänge  95  cm,  Reichweite  anterior  85  cm,  posteromedial  90  cm,  posterolateral   80  cm.  Daraus
ergibt sich ((85 + 90 + 80) ÷ (3 × 95))   × 100 = 89.47. Dieser Wert kann nun mit dem Wert des anderen Beines, vorangegangenen Messungen oder  Ergebnissen anderer Personen verglichen werden. Eine  genauere  Beschreibung  über  Ablauf  und  Aufbau  des  YBT  befindet  sich  im  Methodikteil (3.2.1  und 3.3). Mithilfe des YBT und SEBT konnte festgestellt werden, dass Personen mit einer Verletzung an den unteren Extremitäten veränderte Werte vorweisen und eine schlechte Kontrolle im Einbeinstand die Verletzungsgefahr, bei den verschiedensten Bewegungsaufgaben,  erhöht (Hertel et al, 2006).  Allgemein gilt, dass eine geringere Leistung oder Asymmetrien im SEBT zu einer erhöhten Verletzungsanfälligkeit führen (Butler et al.,  2013).  Für die Leistungsfähigkeit im YBT spielen die Verletzungsvorgeschichte sowie das Alter (Zunahme bis 30, danach Abfall der Leistung) und Geschlecht eine Rolle. Plisky  et al. (2006) fanden heraus, dass eine  Abweichung von mehr als 4 cm in anteriorer Richtung das Verletzungsrisiko für  die untere Extremität um das 2.5 fache erhöht.  Für die anderen beiden Richtungen darf die Differenz nicht größer als 6 cm sein.

Der YBT ist ein Testinstrument zum Messen des dynamischen Gleichgewichts, welches  in einem Review von Gribble  et al. aus dem Jahre 2012 als  zuverlässiges  und valides Testinstrument nachgewiesen  wurde. Besonders ausführlich wurde dies für Sportler (Fußballer, Basketballer) im jugendlichen oder jungen Erwachsenenalter  festgestellt.  Plisky et al. (2006) untersuchten High-School Basketballspieler von der 9.-12. Klasse, Greenberg et al. (2019) Mädchen zwischen 12-15 Jahren und Ng, Hon & Cheung (2018) Schuljungen im Alter  von 6-13 Jahren. Shaffer, Teyhen, Lorenson &  et al. (2013) führten  Untersuchungen  bei  Militärprobanden  zwischen  18-35  Jahren  durch,  Kinzey  und  Armstrong (1998) und Hertel et al. (2000) hatten eine ähnliche Altersstruktur (18-35 Jahren)  in ihrer Studie.  Inzwischen  gibt  es  auch  Studien  die  eine  gute  Reliabilität  und  Validität  für  Erwachsene  nachweisen konnten  (Plisky, Sipe, Ramey &  Taylor, 2019.). Plisky, Gorman, Butler &  et al. (2009), Shaffer et al. (2013) und Faigenbaum et al. (2014) fanden eine gute Intertestreliabilität heraus.  Ko (2006) fasste noch  einmal  die  Ergebnisse  für  den  YBT  zusammen  und  benannte  eine  gute  interrater  (0.99-1.00) und intrarater (0.85-0.91) Korrelation  sowie eine gute test-retest intra-class Korrelation (0.89-0.93). Im YBT verringerte man, im Vergleich zum SEBT, die Anzahl  der  Richtungen  von acht auf drei  Richtungen,  um  Ermüdungserscheinungen  zu  minimieren  und  den  zeitlichen  Aufwand  zu  verringern (Hyong & Kim, 2014), (Plisky et al., 2006). Des  Weiteren ist die Gefahr von Messfehlern bei nur  drei Richtungen geringer als bei acht  Richtungen. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu schaffen und die Fehleranfälligkeit zu minimieren entwickelten Plisky et al. (2019) ein zusätzliches Testprotokoll.

Zusammenfassend  kann  gesagt werden, dass der YBT  ein valides und  zuverlässiges  Mittel zum Messen  des  dynamischen  Gleichgewichts,  unter  Einfluss  von  Kraft,  Koordination  und  Flexibilität, ist (Faigenbaum et al., 2015;  Greenberg et al.,  2019; Plisky  et al.,    2009; Shaffer  et al.,    2013).  Der YBT misst  und  überprüft die Fähigkeit eine vorgegebene Bewegung auszuführen und dabei eine stabile Position einzunehmen. Dafür benötigt man eine  Kombination aus Koordination, Kraft und Flexibilität (Gribble & Robinson, 2008a; Overmoyer &  Reiser,  2015).  Ziel dieser Arbeit ist es den Zusammenhang von Flexibilität und Reichweite im YBT herauszufinden. Dabei hat sich der YBT als ein solides und verlässliches Testinstrument herausgestellt, welches das dynamische Gleichgewicht messen kann und wurde für diese Zwecke gewählt.

2.2 Flexibilität

Die Flexibilität (Synonym Beweglichkeit) beschreibt den Umfang der maximalen Bewegung von Gelenken. Dabei unterscheidet man in aktive und passive Beweglichkeit. Die passive Beweglichkeit stellt
dabei die wahre Beweglichkeit dar, die unabhängig von aktiven muskulären Aktivitäten erreicht werden kann, also der maximale Bewegungsumfang eines Gelenkes (Walker, 2011). Die Begriffe Flexibilität und Beweglichkeit werden beide als Synonyme füreinander  gleichbedeutend verwendet und den jeweiligen Autoren angepasst.

Die  Beweglichkeit  ist  die  Voraussetzung  für  sportliche  und  motorische  Leistung  (Schnabel  et  al., 2008),  sowie  allgemein  die  Leistungsfähigkeit  (Walker,  2011).  Die  Beweglichkeit  beeinflusst  auch
maßgeblich die technische und konditionelle Ausführung der Bewegungen. Die Muskelhemmung ist dabei eine wichtige Einschränkung der Beweglichkeit, da diese durch Übungen verbessert und verändert werden kann. (Graf, 2011). Sie ist dabei ein Teil des Großen  und Ganzen und gehört neben der Kraft, Ausdauer und Koordination zu den Säulen der Bewegungslehre. Sie ist eine allgemeine motorische Fähigkeit.

Graf ergänzt in seinem Lehrbuch für Sportmedizin, dass die Beweglichkeit durch den aktiven und passiven Bewegungsapparat beeinflusst wird. Die Beweglichkeit kann von Gelenk zu Gelenk unterschiedlich sein. Zudem unterscheidet er in statische und dynamische Beweglichkeit (Graf, 2011).

Schnabel et al.  klassifizieren sogar drei  Kategorien.  Die aktive, passive und anatomische Beweglichkeit. Unter der aktiven Beweglichkeit versteht man die Amplitude der Gelenkbeweglichkeit, die durch den für diese Bewegung oder Haltungsaufgabe zuständigen Muskel möglich ist. Unter der passiven Beweglichkeit verstehen sie das Ausmaß an Bewegung,  welche durch äußere Kraft erreicht werden kann, darunter zählen die Schwerkraft, Muskelkraft eines Partners oder auch die eigene Kraft, zum Beispiel beim Heranziehen des Oberkörpers an das eigene Bein. Die anatomische Beweglichkeit beschreibt die Amplitude, die das Gelenk zulässt sobald alle Muskeln entfernt wurden. Sie beschreibt also die anatomische Möglichkeit der Bewegung des passiven Bewegungsapparats. Die passive Beweglichkeit ist dabei größer als die aktive und kann bis zu 90 % der anatomischen Beweglichkeit betragen  (Schnabel,  Harre  &  Krug,  2008,  S.145/146).  Weitere  häufig  benutzte  Synonyme,  die oft  das gleiche meinen sind:  
-  Mobilität
-  Gelenkigkeit
-  Dehnfähigkeit.

Die  Beweglichkeit  lässt  sich  durch  innere  und  äußere  Faktoren  beeinflussen.  Zu  inneren  Faktoren zählen unter anderen Knochen, Bänder, Muskelmasse, Muskellänge, Muskeltonus, Sehnen (als Beispiel haben  10  % Einfluss auf  die Beweglichkeit)  und die Haut. Alter, Geschlecht, Temperatur, enge Kleidung oder Verletzungen zählen zu den äußeren Faktoren (Walker, 2011). Der allgemeine Bau und Funktionszustand der Gelenke beeinflusst die Beweglichkeit genauso,  wie die Dehnbarkeit von Muskeln, Faszien und Nervengewebe. Auch die Kraftfähigkeiten der für die Bewegung zuständigen Muskeln beeinflusst maßgeblich die Flexibilität (Schnabel et al, 2008). 

Es  gibt  drei  grundlegende  Aspekte,  welche  die  Flexibilität  beeinflussen.  Schnabel  et  al.  (2008)  beschreiben  die  konstitutionelle,  konditionell-energetische  und  koordinative  Grundlage  als  Einfluss bzw.  Einschränkungskriterien.  Unter  konstitutionellen  Bedingungen  versteht  man  die  Stellung  der Gelenkflächen, Dehnbarkeit  von  Kapsel  und  Bändern,  die Muskelmasse  sowie  die  Dehnbarkeit  von
Muskeln und Sehnen. Die konditionell-energetischen Faktoren beinhalten die Kraftfähigkeiten der für die Bewegung oder Haltungsaufgabe zuständigen Muskeln. Die Koordination von Agonisten, Antagonisten und Synergisten, der Muskeltonus und die Muskel- und Sehnenreflexe werden der koordinativen Grundlage  zugeordnet.  Bei den Konstitutionellen Grundlagen sind die Gelenktypen von Bedeutung, da sie die Bewegungsamplitude  (ROM) mit beeinflussen. Sie unterliegen keinen großen interindividuellen Unterschieden. In der Studie wurde die  ROM  von der Hüfte  (Kugelgelenk)  und dem oberen Sprunggelenk (Scharniergelenk) gemessen. Kapsel und Bänder, welche die Gelenke hauptsächlich stabilisieren sollen,  haben nur  einen  geringen Einfluss, da sie wenig dehnfähig sind.  Eine Laxität (Schlaffheit) wäre  hier  hinderlich  und  würde  zu  einer  Hypermobilität  führen.  Auch  der Gelenkstoffwechsel beeinflusst die Beweglichkeit. Alle Aspekte zusammen bestimmen die Gelenkbeweglichkeit.  Einen größeren Einfluss wird der Dehnbarkeit von Muskeln, Sehnen, Faszien und der Muskelmasse an sich zugesprochen. Besonders großen Einfluss hat das Bindegewebe (Faszien 41  %, Sehnen 47%, Schnabel et al., 2008).

Die konditionell-energetischen  Aspekte  sind  bei  allen  Beweglichkeitsanforderungen  von  großer  Bedeutung. Demnach auch bei der Testung mithilfe des Y-Balance Test (YBT).  Die aktive Beweglichkeit
wird meist in der Bewegung getestet.

Unter koordinativen Grundlagen zählen zum Beispiel die Fähigkeit der guten (zeitlichen) Abstimmung der Kontraktion von Agonisten und Antagonisten. Man spricht dann auch von einer  intermuskulären Koordination, diese hat großen Einfluss auf die aktive Beweglichkeit. Auch bei der passiven Beweglichkeit ist sie beteiligt zum Beispiel  bei der Regulierung des Muskeltonus. In diesem Zusammenhang spielt die reziproke Innervation und Hemmung eine Rolle. Motoneurone senden Signale an Agonisten zur Aktivierung der Kontraktion und an die Antagonisten zur Kontraktionshemmung (Schnabel et al., 2008).

Bestimmte Einflussfaktoren lassen sich nicht beeinflussen. Es konnte jedoch ein Einfluss auf Muskeln, Bindegewebe, Gelenkstoffwechsel und die sensomotorische Regulation und psychovegetative Hemmung bzw. Aktivierung durch geeignete Dehn- oder Trainingsübungen nachgewiesen werden. Steife und verspannte Muskulatur (Hyperton) können zu Einschränkungen im  Alltag führen bis hin zu Gelenkschmerzen.  Die  Effizienz  der  Bewegungsausführung  ist  vermindert  und  allgemein  die Leistungsfähigkeit und Koordination negativ beeinflusst. Der Körper ist dann nicht in der Lage Entspannung und Kontraktion effizient zu steuern und dies kann zu Kraft-  und Energieverlusten führen. Auch die Durchblutung kann vermindert sein, was zu schnellerem Ermüden führen könnte und die Regeneration  verlangsamt  (Walker,  2011).  Die  Bedeutung  der  Flexibilität  wird  genauer  sichtbar,  wenn  sie Eingeschränkt ist zum Beispiel durch Verletzungen  oder Krankheit (Schnabel et al.,  2008).  Sie ist zudem  Voraussetzung  für  die  Realisierung  und  das  Erlernen  von  sportlichen  Techniken  und  hat  eine Bedeutung für die Bewegungsökonomie durch Reserven in der Beweglichkeit. Auch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit kann sich die Beweglichkeit auswirken, zum Beispiel beim arthromuskulären Gleichgewicht (Schnabel et al.,  2008). Schnabel et al. (2008) bezeichnen die Gelenkreichweite als Standardmaß für die Aussage über die Beweglichkeit und Klee  und  Wiemann (2005) ergänzten die Aussage  indem  sie  die  Muskeldehnfähigkeit  als  entscheidend  für  die motorische  Beweglichkeit  beschrieben.

Die Beweglichkeit wird mithilfe eines Goniometers gemessen und hat eine große Bedeutung  in der Ausführung von Bewegungsaufgaben und Screeningverfahren, so wie hier für den  YBT (Overmoyer & Reiser,  2015).  Die Goniometrie gilt dabei als valides Instrument, wenn es darum geht die Flexibilität zu messen (Overmoyer  &  Reiser, 2015).  Bei der  Flexibilität unterscheidet man zusätzlich die aktive und dynamische Flexibilität. Die aktive Flexibilität wird maßgeblich durch die maximale ROM festgelegt. Die ROM wird mithilfe des Goniometers gemessen, wobei es teilweise schwierig sein kann zu entscheiden,  ob  es  sich  um  die  maximal  mögliche  ROM  handelt  oder  kapsuläre  oder  ligamentäre Strukturen ihren Einfluss ausüben (Gleim & McHugh, 1997). Erneut Gleim  und McHugh  (1997) haben einen  Zusammenhang zwischen Flexibilität und der Verletzungsanfälligkeit feststellen können.  Dies konnten Overmoyer und Reiser (2015) bestätigen, besonders Asymmetrien in der Flexibilität sind dabei von Bedeutung.  Daraus lässt sich erkennen, welche Bedeutung der YBT für die Diagnostik haben könnte, wenn ein Zusammenhang von Reichweite und Flexibilität festgestellt werden kann.

3. Methode


3.1 Stichprobe

Die Messung umfasste 30 gesunde Testpersonen. Teilnehmen durften alle Probanden die gesund und schmerzfrei waren. Alle Probanden mussten zudem  volljährig sein. Ebenfalls ausgeschlossen wurden Personen mit aktuellen oder akuten Beschwerden bzw. Krankheiten,  die das dynamische Gleichgewicht negativ beeinflussen können. Die Teilnahme war freiwillig und konnte jederzeit abgebrochen werden.  Vor  Testaufnahme  wurden  die Probanden  aufgeklärt  und  haben eine  Einverständniserklärung  unterzeichnet.  Im  Durchschnitt  waren  die  Probanden  30.5  Jahre  ±  5.8  Jahre  alt.  Von  den  30 Testpersonen waren 11 weiblich und 19 männlich. Die Durchschnittsgröße lag bei  172.30 cm ±  10.06 cm  und das Durchschnittsgewicht betrug   71.05 kg  ± 11.3  kg. Bei den Beinlängen gab es im Vergleich vom rechten und linken Bein im Durchschnitt nur eine sehr geringe Abweichung, die Durchschnittslänge vom rechten Bein betrug 92.85 cm  ±  6.0  cm  und  die des linken Beins 92.95 cm  ±  6.2  cm.  Bei 93.3 % der Probanden war das rechte Bein das dominante Bein.

3.2 Messinstrument

3.2.1 Y-Balance Test (YBT)

Die drei Testrichtungen des YBT werden  mit Tape am Boden markiert  und mit Zentimeterangaben versehen.  In  der  Mitte wird  ein  Bereich markiert,  wo  das  Standbein  der  Testperson  platziert  wird.Faigenbaum et al. (2015) konnten bei Kindern nachweisen, dass es nicht relevant ist, ob das originale Testkit oder Tapestreifen am Boden verwendet wurden.  Der Y-Balance Test besteht aus drei Streifen in  drei  verschiedenen  Richtungen.  Einer  anterioren  Richtung  (nach  vorne),  und  zwei Streifen  nach hinten.  Einer  in Posteromedialer  Richtung  und  einer  in  posterolateraler  Richtung. Die  Bezeichnung der posterioren  Richtung ist dabei immer abhängig vom gewählten Standbein (siehe  Abb. 1 - nur in der PDF siehe oben).  Die dicken Linien entsprechen den Testrichtungen des YBT.

Der Winkel zwischen den beiden hinteren Streifen beträgt 90 Grad, die Winkel zwischen den hinteren und dem vorderen Streifen betragen jeweils 135 Grad (siehe Abb. 8 im Anhang).

3.2.2 Goniometer

Die  Flexibilität  wurde  mithilfe  der  Bewegungsamplitude  (ROM)  und  einem  Goniometer  gemessen. Dafür  wurde  die  aktive  Neutral-0-Methode  verwendet  und  die  Freiheitsgrade  der  Hüfte  und  im Sprunggelenk  gemessen  (Freiherr  von  Salis-Soglio,  2015).  Das  Goniometer  ist  ein  Messinstrument zum Messen von Winkeln. Es besteht aus zwei  beweglichen Armen, um einen Mittelpunkt  und mehreren Kennzeichnungen und Hilfslinien auf den Winkelarmen. Der eine Arm wird als stationärer Arm
betrachtet, der sich während der Messung nicht bewegt und der andere wird dazu genutzt die neue Stellung (Endstellung) zum Beispiel der Extremität zu erfassen. Wenn der Mittelpunkt des Goniometers mit dem Drehpunkt der Gelenke übereinstimmt, kann man das Bewegungsausmaß durch Winkelangaben auf dem Goniometer ablesen bzw. beschreiben.

3.3 Durchführung

Vor der Testdurchführung haben die Probanden ihre Einverständnis zur Ausübung der Testbatterie gegeben und den anthropometrischen  Fragebogen ausgefüllt. Anschließend erfolgte eine kurze Erwärmung in Form von einer Minute Treppensteigen. Der Test wurde im Keller in den Räumlichkeiten der Hochschulambulanz der Universität Potsdam ausgeführt.  Die Daten wurden anonym ausgewertet. Nach der Erwärmung folgte die Testung des Y-Balance Tests.

Der Proband stellte sich mit seinen Standbein an die Markierung, die Schuhe waren dabei angezogen. Ein Tester überwachte die Durchführung der Ausführung, gab das Startkommando und notierte die Reichweiten.

Der Proband stand mit seinem Standbein an der Markierung und legte beide Hände in die Hüfte. Das andere Bein wurde nun langsam und kontrolliert angehoben und so weit es geht in die Testrichtung bewegt. Am Ende des Bewegungsausmaßes wurde die Fußspitze gestreckt und Tester 1 las  das Ergebnis ab.  Gemessen wurde der distalste Punkt am Fuß.  Anschließend musste das Bein sicher und kontrolliert zurückgeführt werden. Für jedes Bein hatte der Proband zwei  Versuche  in jede Testrichtung und zwei Probeversuche vor der Testung. Laut Plisky et al. (2009) reichen vier Versuche aus, um das Ergebnis nicht durch Lerneffekte zu beeinflussen.

Ein Versuch galt als ungültig, wenn der Proband:

-  Mit dem angehobenen Bein den Boden berührte
-  Nicht mehr sicher in die Ausgangssituation zurückkam
-  Den Hacken (Calcaneus) vom Boden löste

Zuerst wurden alle vier  Testungen (je 2-mal das rechte und 2-mal  das linke Bein) in anteriorer Richtung durchgeführt. Anschließend folgten die anderen beiden Richtungen, auch jeweils mit zwei  Versuchen pro Bein und Richtung. Insgesamt absolvierte jeder Proband in der ersten Testreihe also 12 Versuche.

Danach  gab  es  eine  5-minütige  Pause  in  der  mithilfe  eines  Goniometers  die  Range  of  motion  und Beinlänge gemessen wurde. Danach folgten drei  Durchgänge von Messungen des  Maras-Asefi Balance Test (MABT - Der MABT verändert den YBT, indem zwischen allen 3 Richtungen nun ein Winkel von 120 Grad besteht. Abb. 8 in der PDF) und zwischen den Durchgängen gab es jeweils 5-10 Minuten Pause und die Messungen der ROM. Tester 1 und Tester 2 wechselten nach der Hälfte der Tests ihre Aufgaben.  Die Messreihe bestand aus der Durchführung von YBT und MABT und den entsprechenden Reichweiten in den drei genannten Testrichtungen.

Bei der Auswertung wurde nur der Durchschnittswert berücksichtigt, da es keine großen Unterschiede zwischen den Maximalwerten und den Durchschnitten der einzelnen Messungen gab.

Die Bewegungsamplitude also das  maximale Ausmaß der Gelenkbeweglichkeit (Gelenkwinkel) wurde
wie  bereits  erwähnt  mithilfe  eines  Goniometers  gemessen.  Dabei  wurde  die  Bewegungsamplitude
von:

-  Hüftflexion
-  Hüftextension
-  Hüftabduktion
-   Hüftadduktion
-   Hüftinnenrotation
-   Hüftaußenrotation
-   Dorsalextension (obere Sprunggelenk)
-   Plantarflexion (obere Sprunggelenk)

gemessen. Die Beweglichkeit dieser acht Gelenkbewegungen wurde jeweils 2-mal bei jedem Bein gemessen.  Gemessen wurde dabei mit der Neutral-0-Methode und einem Goniometer. Bei der Durchführung gibt es zwei wesentliche Punkte zu beachten: (Freiherr von Salis-Soglio, 2015)

-  Drehzentrum vom Gelenk und Winkelmesser sind identisch
-  Winkelarme entlang der Gelenkarme

Es wurde die  aktive Beweglichkeit gemessen,  das heißt  die Winkelstellung, der mithilfe der eigenen Muskelkraft eingenommen werden kann. Dies ist meist nicht die maximale Beweglichkeit, da diese nur passiv, unter Ausschaltung der Muskulatur, möglich ist.

Alle gemessenen Gelenkstellungen werden kurz beschrieben, eine Übersicht ist auch in der  Tabelle 1 zu finden.

Die Hüftflexion und Extension wurde am liegenden Probanden gemessen. Für die Hüftflexion lag der Patient auf dem Rücken. Der Drehpunkt vom Goniometer wurde in der Mitte des Trochanter major des zu testenden Beines angelegt. Für den festen Winkelarm wurde eine gedachte Linie vom Trochanter  major  zum  Malleolus  lateralis  gezogen  und  der  Winkelarm  daran  ausgerichtet.  Anschließend wurde das Testbein  so weit,  wie aktiv möglich,  im Hüftgelenk flektiert (ohne Ausweichbewegungen nach außen zu zeigen und auch nur so weit, wie die Bewegung möglich war, ohne mit dem Gesäß abzuheben). Der zweite Winkelarm wurde dann entlang der Linie vom Trochanter major zur Kniemitte ausgerichtet.

Bei der Hüftextension lag der Proband auf dem Bauch und das Bein wurde während der Messung so weit nach oben angehoben, bis das Becken anfing sich zu bewegen bzw. Ausgleichbewegungen im Rumpf zu sehen waren. Beide Winkelarme befanden sich auf einer Linie vom Trochanter major  zum lateralen Malleolus.

Die Ausgangsposition bei der Hüftadduktion und Hüftabduktion ist jeweils die Rückenlage. Der Drehpunkt des Goniometers wird auf  dem gedachten Mittelpunkt zwischen Spina iliaca anterior superior (SIAS) und Symphysis pubica auf der Testbeinseite angelegt. Der Stationäre Winkelarm geht entlang dieses Mittelpunktes auf einer Linie durch die Oberschenkelmitte Richtung zweite Zehe und der bewegte Winkelarm hat dieselbe Ausrichtung nur in der jeweiligen Endstellung. Dies ist sowohl für  die Adduktion als auch die Abduktion identisch. Für die Abduktion wird das Testbein nach lateral bewegt, bis es zu einer Ausgleichbewegung in der Hüfte kommt. Die Adduktion wird mit angehobenen Bein und maximaler Bewegung des gestreckten Beins nach medial bestimmt. Auch hier nur so weit, bis eine Ausweichbewegung zu erkennen ist.

Die Hüftinnen- und  Außenrotation wurde im Sitzen und nicht wie in Abbildung 6 (im Anhang),  im Liegen gemessen. Der Drehpunkt ist die Patellamitte und der stationäre Arm befindet sich auf einer Linie entlang der Schienbeinmitte zum zweiten Zeh. Die gleiche Orientierung kann für den bewegten Winkelarm angegeben werden, allerdings dann in der Endstellung.

Neben der Hüftbeweglichkeit wurde auch die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks getestet. Für die  Dorsalextension  und  die  Plantarflexion  saß  der  Patient  mit  hängenden  Beinen  an  einer  Kante. Drehpunkt bei beiden Bewegungen war die Mitte des Malleolus lateralis. Der stationäre Winkelarm befand sich auf einer Verlängerung dieses Punktes und der Linie zur lateralen Kniemitte entlang der Fibula. Der Bewegte Arm geht vom lateralen Malleolus entlang des Fußrückens zu den Zehen.

Die  Beinlänge  wurde  von  der  Spina  iliaca  anterior  superior  (Hüfte)  bis  zum  Malleolus  medialis (Sprunggelenk)  gemessen.  Für  die  Auswertung  der  Reichweite  wurde  die  Reichweite  normalisiert. Dafür wurde die Reichweite durch die Beinlänge dividiert und mit 100 multipliziert  ((𝑅𝑒𝑖𝑐ℎ𝑤𝑒𝑖𝑡𝑒  ÷ 𝐵𝑒𝑖𝑛𝑙ä𝑛𝑔𝑒) × 100),  dadurch  erhält  man  einen Prozentwert.    Auch die maximale ROM wurde normalisiert, indem man die ROM durch die Beinlänge dividierte und mit 100 multiplizierte.

3.4 Statistik

Die Daten wurden deskriptiv  analysiert, dies beinhaltet  Mittelwerte  (M)  und Standardabweichungen (SD)  von Reichweite und  Bewegungsamplitude (ROM).  Für die Ergebnisse wurde überall der Durchschnitt und die Standardabweichung berechnet  (Peat,  Barton &  Elliot, 2008.)    Jede Testrichtung  enthielt 2 Versuche und der Mittelwert beschreibt die Reichweite für jede Richtung.  Mithilfe der Pearson-Korrelation  wurde  die  statistische  Signifikanzzuordnung  zwischen  Reichweite  und  Bewegungsamplitude  versucht darzustellen. Dabei betrug das Signifikanzniveau  p  =  0.05.  Die Pearson Korrelation ermöglicht das Vergleichen zweier Variablen und die Bildung dieses Korrelationskoeffizienten. Er liegt  stets  zwischen  -1  und  +1.  Ein  Koeffizient von  +1  beschreibt einen  perfekten  positiven  Zusammenhang der beiden variablen und die  -1 gibt einen perfekt negativen Zusammenhang an. Ein Wert der gegen 0 geht bedeutet, dass kein linearer Zusammenhang zwischen den Variablen besteht. Das heißt mithilfe des Pearson Korrelationskoeffizienten kann man nur lineare Zusammenhänge erkennen und darstellen. Die Variablen können trotzdem einen Zusammenhang haben, nur keinen linearen. Um die Pearson Korrelation anwenden zu können, müssen die Daten kardinal oder auch metrisch skaliert vorliegen.  Dies ist hier der Fall, da die Werte eine natürliche Rangordnung/Reihenfolge haben und es auch einen klaren „Nullpunkt“ gibt.  Der Korrelationskoeffizient wurde als schwach (< 0.3), Mittel (0,3.  -  0,5) und stark (> 0.5) eingeschätzt  (Peat  et al., 2008).  Die Daten wurden mithilfe der SPSS-Version 21.0 analysiert und beschrieben.

4. Ergebnisse


Alle  Angaben  beinhalten  die  durchschnittlichen  Reichweiten  oder  durchschnittliche  ROM.  Zudem wird die Standardabweichung angegeben und mit Abweichung  (SD)  abgekürzt oder in eckigen Klammern [] angegeben.  Die Reichweite wurde normalisiert, indem man die Reichweite durch die Beinlänge dividierte und mit 100 multiplizierte. Die Beinlänge wurde von der Spina iliaca anterior superior zum medialen Malleolus am Sprunggelenk gemessen.

In Abb. 2 kann man die Durchschnittliche Reichweite inklusive der Standardabweichung ablesen.  Die Durchschnittliche  Reichweite  in  anteriorer  Richtung  (AnteriorAve)  beträgt  95.8  cm  mit  einer  Standardabweichung von ± 7.0 cm. In posterolateraler (Abgekürzt „Lateral“, LateralAve) Richtung 97.5 cm mit einer Standardabweichung von ±  7.2  cm und in  posteromedialer  (Abgekürzt „Medial“, MedialAve) Richtung 85.8 cm und einer Abweichung von ± 8.9 cm. Die Bewegung mit der größten Reichweite ist die Bewegung nach posterolateral (siehe Abb. 9 im Anhang).

Als  nächstes  wurde  die  Bewegungsamplitude  (ROM)  ausgewertet,  die  mithilfe  eines  Goniometers gemessen wurde. In Abb. 3 sieht man die Mittelwerte der einzelnen ROM der Gelenkbewegungen inklusive der Standardabweichung.  Bei der Hüftflexion  (HipFlex)  wurden 123.5 Grad gemessen, mit einer Standardabweichung von  ±  8.8  Grad. In Extensionsstellung  (HipExt)  wurden 7.95 Grad und  ±  3.3Grad Abweichung gemessen. In Abduktionsstellung  (HipAbd)  der Hüfte wurden 32.650 Grad gemessen [SD:  ±  3.4 Grad] und in Adduktion  (HipAdd)  19.18 Grad [SD:  ±  5.3  Grad] gemessen. Die Durchschnittliche Hüftinnenrotation  (HipIR)  betrug 33.7 Grad [SD:  ±  7.7 Grad] und die Außenrotation  (HipOr) 30.28 Grad [SD: ± 5.5 Grad].

Im Sprunggelenk wurden bei der Dorsalextension (Dorsalflex) 16.12 Grad [SD: ± 6.8 Grad] und bei der Plantarflexion (Plantarflex)  45.6 Grad [SD: ± 10.9 Grad] gemessen (siehe Tab. 3 im Anhang).

In Tabelle 2 kann man die Korrelation zwischen den Richtungen und den Gelenkbewegungen und die zugehörige Signifikanz ablesen.  Bei der Korrelation  (Pearson Correlation,  r)  zwischen Hüftadduktion (HipAdd)  und  Bewegung  in  anteriorer  Richtung  (AnteriorAve)  wurde  eine  mittlere  Korrelation von .388  festgestellt. Die  Signifikanz  weist  eine  starke  Assoziation  von  .034  auf. Ebenfalls  eine mittlere Korrelation wurde bei der Hüftextension  (HipExt)  und der Reichweite in medialer Richtung (MedialAve) von .436 festgestellt. Die Dazugehörige Signifikanz (Sig, p) beträgt .016.

Eine  starke  Korrelation  konnte  bei  keiner  der  gemessenen  Testrichtungen  in  Verbindung  mit  der ROM  festgestellt  werden.  Eine  mittlere  Korrelation  konnte,  wie  oben  bereits  beschrieben,  bei  der Hüftadduktion in Verbindung mit der anterioren Richtung und der Hüftextension und der medialen Richtung festgestellt werden. Alle weiteren Betrachtungen lieferten eine schwache Korrelation.  Eine schwache negative Korrelation konnte bei allen drei Richtungen, der Hüftflexion und der Hüftabduktion festgestellt werden.  Durchweg schwache  positive Korrelationen konnten bei der Hüftinnenrotation und den drei genannten Testrichtungen festgestellt werden.  Eine genauere Übersicht befindet sich im Anhang.  Es wurden  insgesamt mehr negative schwache Korrelationen als schwache positive Korrelationen gefunden (12 zu 10) und zwei mittlere positive Korrelationen (siehe Tab. 4 im Anhang).

Ein hohes Signifikanzlevel (von p  ≤  0,05) konnte nur bei den zwei mittleren Korrelationen  (HipExt + MedialAve und HippAdd + AnteriorAve)  festgestellt werden. Allgemein konnte keine wirkliche Korrelation von normalisierter Durchschnittlicher Reichweite und der ROM von Hüfte und/oder Sprunggelenk festgestellt werden.

5. Diskussion


Es konnte kein wirklicher Zusammenhang zwischen Reichweite und Flexibilität festgestellt werden. Einzig eine schwache Beziehung zwischen Hüftadduktion und anteriorer Reichweite sowie Hüftextension und  posteromedialer Richtung.  Wie bei Schnabel et al. (2008) bereits erwähnt wurde, wird die Flexibilität durch Kraftfähigkeiten der Muskulatur sowie deren Dehnbarkeit beeinflusst. Das könnte ein Grund sein, warum die reine Flexibilität scheinbar keinen großen Einfluss hat, da mehrere Faktoren sowohl die Flexibilität als  auch die Reichweite im YBT beeinflussen.  Es liegt nahe, dass die (maximale) Flexibilität nicht der ausschlaggebende Faktor ist und keine größere Bedeutung für  die (durchschnittliche maximale) Reichweite im YBT hat. Gerade wenn man absolute Werte betrachtet und keine Seitendifferenzen. Man kann vermuten, dass die Flexibilität auch keine größere Bedeutung für das dynamische Gleichgewicht hat  oder  zumindest  nicht der ausschlaggebende Faktor ist.  Im Gegensatz dazu stellten  Overmoyer und Reiser  (2015)  fest, dass  die Dorsalextension Einfluss auf alle  Reichweiten in allen drei    Bewegungsrichtungen    im YBT  hat und die Hüftflexion Einfluss auf die posterioren (posteromedial  und  posterolateral)  Richtungen.  Einige  Studien  konnten  nachweisen,  dass  größere Bewegungsamplitude  zu einer größeren Reichweite im YBT führt (Gribble et al., 2008a). Dorsalextension  und Knieflexion (hier nicht gemessen) sind für die Ausführung und maximale Reichweite im YBT wichtig. Zumindest wenn man keine Asymmetrien betrachtet. Gerade die anteriore Reichweite kann von einer größeren Dorsalextension und Knieflexion  profitieren (Overmoyer &  Reiser, 2015).  Es ist dabei zu bedenken, dass hier nur die durchschnittlichen normalisierten Reichweitenwerte betrachtet wurden  und  keine  getrennte  Betrachtung  der  beiden  Seiten  oder  der   absoluten  Maximalwerte stattgefunden hat.  Studien besagen, dass eine geringere ROM positiv mit der Reichweite im YBT korreliert  (Ko,  2016;  Overmoyer  &  Reiser,  2015).  Zu  überlegen  wäre  es,  ob  eine  geringe  Bewegungsamplitude  oder Einschränkung selbiger,  stärkeren Einfluss auf die Reichweite hat, als eine große maximale  Bewegungsamplitude. Das würde bedeuten, dass man die ROM auf ein Mindestmaß verbessern  sollte,  um  eine  gute  Ausgangslage  zu  schaffen,  es  aber  nicht  so  wichtig  wäre,  eine  maximale ROM in den Gelenken zu erzielen.

Auch fraglich ist, welchen Einfluss und Zusammenhang zwischen Kraftfähigkeiten und der Beweglichkeit besteht.  So wurde bereits festgestellt, dass für die maximale Reichweite im YBT die isometrische Kraft der Hüftabduktoren eine Bedeutung hat (Wilson et al.,  2018).  Die Reichweite im YBT ist unter anderen von der exzentrischen und isometrischen Neuromuskulären Kontrolle des Standbeines abhängig (Hertel et al., 2000).  Doch welchen Einfluss oder Beziehung besteht zwischen der Kraft  und der Beweglichkeit? Ein Interessanter Bereich, der noch genauer betrachtet werden muss.

Die  gemessenen  Reichweiten  weichen  teilweise  mehr  oder  weniger  stark von  Literaturangaben  ab
und können ein möglicher Grund  dafür  sein, dass keine Korrelation festgestellt werden konnten. In den meisten Untersuchungen wurde  eine größere Reichweite in posteromedialer als in posterolateraler  Richtung  festgestellt,  hier  ist  es  genau  andersherum  (Butler,  Gorman,  Plisky  &  et  al.,  2012).Gribble und Robinson (2008b) stellten ähnliche Reichweiten fest, auch wenn dort der SEBT durchgeführt wurde und erneut die posteromediale Richtung gegenüber der posterolateralen Richtung eine größere Reichweite aufwies. Die posteromediale Richtung scheint bei den meisten Studien dominanter, gegenüber der posterolateralen Richtung, zu sein (Gribble & Robinson, 2008b; Plisky et al., 2006). Dies steht im Gegensatz zu den Ergebnissen in dieser Studie, wo die posterolaterale Richtung gegenüber der posteromedialen Richtung größere Weiten vorweist.  Vergleicht man die Werte dieser Studie (anterior: 95.79 cm, medial: 85.75 cm, lateral: 97.45 cm) mit anderen Studien, so fällt auf, dass es schwierig sein kann,  die reinen Reichweiten miteinander zu vergleichen. Plisky et al.  (2006) hatten in anteriorer Richtung eine Reichweite von 83.9 cm, nach medial 107.0 cm und nach lateral 100.4 cm, bei über hundert High-School Basketballspielern  feststellen können. Bei Ko (2016) waren es nach anterior 64.74 cm, nach medial 103.77 cm und nach lateral 96.54 cm bei den gesunden Probanden  (Bei den Probanden mit chronischer Instabilität des Sprunggelenks wurden niedrigere Werte gemessen). Lee  und  Ahn  (2018)  hatten  bei  gesunden  männlichen  Probanden  Anfang 20  in  anteriorer  Richtung ebenfalls geringere Werte (ca.70 cm). In den beiden hinteren Richtungen aber größere Weiten mit (posteromedial ca. 113 cm und posterolateral 114 cm).

Zugegeben es ist ein Unterschied, bei welcher Probandengruppe  (Alter, Verletzungshistorie, Sportler/Nicht Sportler,…) die Messung durchgeführt wurde und verdeutlich noch einmal wie divergent die reinen Reichweiten sein können. Man muss sich die Ergebnisse für jede Gruppe gesondert anschauen und Vergleichswerte schaffen bzw. Auffälligkeiten innerhalb des Messsystems finden. Das Ziel sollte es sein   Gesetzmäßigkeiten ableiten  zu können anhand derer man eine Aussage treffen kann, so wie es zum Beispiel mit dem Gesamtscore  oder den Seitendifferenzen (Sie stellten fest, dass eine Seitendifferenz von mehr als 4 cm in  anteriorer Richtung mit erhöhter Verletzungsanfälligkeit einhergeht.)getan wurde  (Plisky et al., 2006).

Butler et al. (2013)  konnten feststellen, dass ein  Gesamtscore  beim YBT Protokoll, welcher unter 89 %  liegt, das Risiko für Verletzungen erhöht.  Es wäre zudem interessant zu schauen, ob das zufällige Ergebnisbefunde sind oder die posteromediale Richtung immer dann dominant ist, wenn Probanden eine Verletzungsvorgeschichte haben. Wäre dies der Fall, könnte man vermuten, dass die posterolaterale Richtung bei Verletzungen eingeschränkt ist und stärker auf Veränderungen reagiert. Betrachtet  man  die  Bewegungsmechanik  und  vergleicht  beide  Bewegungen,  wäre  dies  durchaus  denkbar. Diese Erkenntnis konnten  Butler et al. (2013)  bestätigen, indem sie nachweisen  konnten, dass eine schlechtere posterolaterale Leistung das Risiko für Sprunggelenksverletzungen erhöht.  Ein genaues Urteil ist diesbezüglich nicht möglich, weil nur ein kleiner Ausschnitt von Studien betrachtet wurde. Messfehler  oder  Fehler  bei  der  Kennzeichnung  und/oder  Protokollierung  könnten  für  die  unterschiedlichen Weiten  ebenfalls  verantwortlich gewesen sein.  Je genauer und einheitlicher die Testanleitung, der Ablauf, der Protokollbogen und alle weiteren für die Messung relevanten Faktoren sind, umso geringer ist die Gefahr von Fehlern bzw. umso leichter lassen sich die Studien untereinander vergleichen.

Auch  die  ROM  Werte  liegen  nicht  immer  im  Normbereich.  Da  die  Bewegungsamplitude  auf  verschiedene Arten ermittelt werden kann und generell schwierig zu messen ist, ist sie anfällig für Fehler, sodass es mitunter schwer sein kann die Werte untereinander zu vergleichen  (Overmoyer  &  Reiser, 2015). Erneut Overmoyer und  Reiser (2015) konnten so zum Beispiel ähnliche ROM bei der Hüftabduktion  (34  Grad  zu  hier  32.65  Grad),  Hüftinnenrotation  (31  Grad  zu  hier  33.7  Grad)  und  der Hüftaußenrotation (30 Grad zu hier 30.28 Grad) nachweisen. Wohingegen bei der Hüftextension (23
Grad  zu  hier  7.95  Grad)  und  Hüftadduktion  (15  Grad  zu  hier  19.18  Grad)  teilweise  größere  Unterschiede festgestellt wurden.  Um dies ausführlicher beschreiben zu können, bedarf es  auch hier  einer genaueren  Betrachtung  der  exakten  Messanweisung  bzw.  eines  einheitlichen  Messverfahrens   um gewonnene  Daten  besser  miteinander  vergleichen  zu  können.  Die  gemessenen  ROM  entsprechen ungefähr den Erwartungen bzw. den Richtwerten.  Die Hüftabduktion mit 32.65  Grad  (Norm: 30-45 Grad),  Hüftinnenrotation  mit  33.7  Grad  (Norm:  30-45  Grad)  und  die  Plantarflexion  mit  45.6  Grad (Norm 40-50 Grad)  befinden sich im Normbereich  (Freiherr von  Salis-Soglio, 2015). Die Hüftabduktion  und  die  Hüftinnenrotation  können  bei  der  Bewegung  nach  medial   für  die  Hüftabduktion  bzw. nach lateral für die Hüftinnenrotation eine Bedeutung haben (Hier wurde dann nur das Spielbein betrachtet, für das Standbein besteht unter anderen  wieder eine andere Beziehung).  Wohingegen die Plantarflexion bei der Bewegungsausführung keine wichtige Komponente einnimmt, wenn man sich die Biomechanik der Bewegungsrichtungen anschaut. Die Verallgemeinerung, dass man die Ergebnisse der beiden Seiten nicht einzeln sondern zusammen betrachtet, könnten zu veränderten Ergebnissen  geführt  haben.  Genau  wie  die  fehlende  Unterscheidung  in  Stand-  und  Spielbein.  Als  Beispiel könnte die Kraft oder ROM der Hüftabduktoren  vom Spielbein für die Bewegungsausführung nicht wichtig sein, aber größeren Einfluss auf  das Standbein haben. So haben zum Beispiel die isometrischen und exzentrischen Kraftfähigkeiten der Hüftabduktoren der Standbeinseite einen Einfluss auf die Stabilisierung im Einbeinstand, welcher ein maßgeblicher Bestandteil der Bewegungsaufgabe im
YBT ist (Wilson et al., 2008)

Weitere Limitationen könnte auch die geringe Anzahl an Durchgängen gewesen sein und die Tatsache,  dass  es  mitunter  schwierig  sein  kann,  den  distalsten  Punkt/Reichweite  exakt  zu  bestimmen.Teilweise  beruhen  die  Ergebnisse  damit  auf  subjektive  Beobachtungen  des  Testers  und  sind  unter Umständen  von  deren  Erfahrungen  abhängig.  Auch  wenn  Studien  belegen,  dass  4 Durchgänge  reichen um eine verlässliche  Aussage über die maximalen Reichweiten treffen zu können  (Hertel et al., 2006; Plisky et al., 2009).

Zu beachten ist, dass die Stichprobe mit 30 Probanden relativ klein war und auch nur gesunde Probanden im jungen Erwachsenenalter beinhaltet.  Es konnte festgestellt werden, dass eine Zunahme der Reichweite bis zum 30. Lebensjahr stattfindet und dann eine allmähliche Abnahme zu verzeichnen  ist.  Die  Stichprobe  in  dieser  Studie  befindet  sich  genau  im  Übergang  dieser  Phase  mit  Durchschnittlich  30.5  ±  5.8  Jahren.  Interessant  wäre  es  zu  schauen,  inwiefern  die  Flexibilität  bei  älteren Menschen oder Probanden mit gesundheitlichen Beeinträchtigen Einfluss auf die Reichweite haben könnte.  Nach Ko (2016) scheint die  posteromediale Richtung im YBT  die  anfälligste  Richtung zu sein, die bei Verletzungen der unteren Extremitäten verringert  ist. Auch  die anderen beiden Richtungen (posterolateral, anterior) zeigen Veränderungen, jedoch  mit einer geringeren  Signifikanz (Ko, 2016). Zudem wurde nur die maximale aktive ROM  gemessen und diese ist nicht ausschlaggebend für die Bewegungsausführung, da nicht die maximale ROM vonnöten war.  Bei der Bewegungsausführung ist eine Kombination aus aktiver und passiver Beweglichkeit notwendig. Es wurde allerdings nur die maximale aktive Beweglichkeit getestet.  Für die Messung könnte  es entscheidender sein zu betrachten, wie sich die Beweglichkeit im Zeitpunkt der maximalen Reichweite bzw. während der Bewegungsausführung darstellt (Gribble & Robinson, 2008a;  Ko,  2016).  Auch die Ausführung der Bewegung wurde nicht genau genug in die Analyse mit einbezogen, so kann der YBT mit einer Knie-  oder Hüftbetonten Technik durchgeführt werden, wo unterschiedliche Bewegungsausmaße in der Hüfte und im Knie gebraucht werden  (Fullam, Caulfield, Coughlan  & Delahunt,  2013). Die Kniebeweglichkeit wurde in dieser Studie gar nicht berücksichtigt.  Ebenfalls interessant wäre es zu schauen, ob die Flexibilität für Sportler einen größeren Einfluss haben könnte, da sich deren maximale Reichweiten teilweise doch stark von den vorgefundenen Messwerten unterscheiden (Butler  et al.,  2012). Vergleicht man die Ergebnisse,  wären  durchaus  größere  Reichweiten,  insbesondere  in  posteromedialer  Richtung,  zu  erwarten gewesen, auch wenn es sich  bei Butler et al. (2012) um Sportler handelte.

6. Schlussfolgerung


Die Aufgestellte Hypothese, dass eine größere ROM zu einer größeren Reichweite im YBT führt konnte  nicht  bestätigt  werden.  Auch  allgemein  wurde  keine  eindeutige  Korrelation  zwischen  ROM  und Reichweite im YBT festgestellt. Einzig eine mittlere Korrelation zwischen Hüftadduktion und anteriorer  Reichweite  sowie  Hüftextension  und  posteromedialer  Richtung.  Die  Komplexität  des  dynamischen Gleichgewichts jedoch konnte gezeigt werden.

Für  das  dynamische  Gleichgewicht  ist  ein  Zusammenspiel  von  Kraft,  Flexibilität  und  Koordination
notwendig.  Gerade  das  komplexe  neuromuskuläre  Zusammenspiel  und  inwiefern  die  Flexibilität dadurch verändert wird, macht es so schwierig ein einheitliches und Zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten.  Durch die große Bedeutung des dynamischen Gleichgewichts bei den unterschiedlichsten Aufgaben im Alltag und Sport ist es umso wichtiger geeignete Testinstrumente zu haben als auch den Einfluss der einzelnen Faktoren besser einschätzen zu können. Die Studie konnte dazu beitragen und die Komplexität und Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren verdeutlichen.  Dabei spielt die Flexibilität gerade nach Verletzungen als Return-to-Sport Kriterium oder als möglicher Indikator für präventive Aufgaben eine Rolle.  Ist die Flexibilität eingeschränkt sind die Reichweiten auch verringert, dies bedeutet aber nicht, dass die maximale ROM notwendig ist und zu besseren Ergebnissen führt. Man müsste sich jetzt noch genauer die Bewegungsmechanik und Bewegungsamplitude während der Ausführung anschauen und auf Auffälligkeiten und Zusammenhänge untersuchen.  Die Kraft-  und Koordinationsfähigkeiten scheinen einen größeren Einfluss auf die Reichweiten im YBT zu haben. Aber auch  die  Kombination  aus  verschiedenen  Teilkomponenten,  die  ineinandergreifen  machen  eine strenge Teilung in Bereiche wie Flexibilität,  Kraft, Koordination so schwierig. So gibt es einen Zusammenhang zwischen der Flexibilität und der Fähigkeiten der Muskeln exzentrisch  oder isometrisch zu arbeiten bzw. nachzugeben.    Interessant wäre es zu schauen, ob ein Zusammenhang mit Sportlern oder bei Verletzungen eindeutigere Ergebnisse liefert bzw. müsste der Zusammenhang noch  einmal genauer  analysiert  werden.  Zudem  wäre  eine  gesonderte  Betrachtung  der  Seiten  von  Stand-  und Spielbeinseite  hilfreich.  Aber  auch  ein  genereller  Vergleich  der  erzielten  Ergebnisse  im Seitenvergleich könnte interessanter sein und bessere Ergebnisse, Schlussfolgerungen erlauben als die reinen durchschnittlichen Werte. Gerade im Sportbereich nach Verletzungen und bei der präventiven Arbeit kann der YBT als Testinstrument hilfreich sein bzw. zusätzliche Hinweise liefern, die es den Trainerteam  ermöglicht ihre Sportler besser zu beraten, bessere Leistungen zu erzielen und auch die Verletzungsanfälligkeit zu reduzieren.

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